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Interview mit meiner Tragebraterin des Vertrauens


 

Vor ziemlich genau einem Jahr, habe ich mich zum ersten Mal mit dem Thema Babytragehilfen beschäftigt. Und durfte schnell merken, dass das totales Neuland für mich war. Meine Großen hatten alle ihren Windel-Mercedes. Damals, vor mehr als 10 Jahren, war der absolut ausreichend. Allerdings sind wir nach der Geburt unserer Tochter, Kind Nr.3, aus der Stadt aufs Land gezogen und vor fast 4 Jahren kam dann unser Wald- und Wiesenhund Coco in die Familie.

 

Nun weiß wohl jeder, der schon mal mit einem Kinderwagen/Buggy auf einem Feldweg fahren musste, dass das echt kein Honiglecken ist. Noch schlimmer wird das, wenn dann noch ein kleiner Wirbelhund an der Leine hängt und endlich laufen will. Glaubt mir „NO WAY!!!“ Also musste eine Lösung her. Ich habe angefangen zu recherchieren, bin durch die einzelnen Geschäfte geschlendert und habe mich von der ein oder anderen „Fachkraft“ (es gibt solche und solche) beraten lassen. Man fand mich in diversen Foren und ich las den ein oder anderen Erfahrungsbericht. Und nach etlichen YouTube Videos zu dem Thema, gab ich mich dann geschlagen. Was soll ich sagen? Danach war ich noch ratloser. 🤦

 

 

 

Aber immerhin wusste ich nun was ich nicht wollte - nämlich nicht noch eine Möchtegern-Verkäuferin, die in noch einem Möbelhaus um jeden Preis, die neuste angeblich „super ergonomische“ Babytrage von der Firma XY verkaufen will. (Bitte sucht unbedingt den Fachhandel auf z.B. einen der Mamiläden in Österreich) Ich Verlink euch mal die Facebook Seite vom Mamiladen Wolfsberg

 

Also was sollte ich nun tun? Der kleine Mann in meinen Bauch wollte bald auf die Welt kommen und ich benötigte so langsam eine zufriedenstellende Lösung. Genau da hatte ich das Glück, dass genau zu dieser Zeit ein Eltern-Kind-Zentrum in meiner Nähe seine Pforten öffnete – Liebes EKiZ, auf diesem Wege schon mal alles Liebe zum 1.Geburtstag - und mein noch größeres Glück war / ist, dass die Obfrau vom EKIZ St.Andrä im Lavanttal, Bettina Pachoinig, ausgebildete Still-und Trageberaterin ist. Ich habe mich also mit ihr in Verbindung gesetzt und wurde endlich gut beraten.

 

 

Da mir diese Beratung so gut weitergeholfen hat und aus der Beratung mittlerweile eine Freundschaft geworden ist, freue ich mich umso mehr, dass ich euch heute ein Interview mit der lieben Betti präsentieren kann.

 

Betti, stell dich doch mal kurz vor:


 

Hallo ihr Lieben, wie bereits von Claudia erwähnt, bin ich ausgebildete Still-und Trageberaterin und studiere zurzeit an der FH Kärnten Soziale Arbeit. Ich bin Mama einer wunderbaren 2.5-jährigen Tochter. Durch meine Berner Sennenhündin waren wir immer viel in unwegsamen Gelände unterwegs und deshalb gab es auch für uns nach der Geburt von Fräulein Sonnenschein eigentlich nur die Variante Babywearing als logische und praktischste Lösung des „Gassi gehen“-Problems

 

Wie wird man Trageberater/in:


 

Es gibt in Österreich drei bekannte Schulen, die Trageberaterinnen ausbilden.
Das wäre zum einen ClauWi – da hab ich meine Ausbildung gemacht. Und dann gibt es noch die TSÖS und die Trageschule Wien.
Allen gemeinsam ist, dass die Ausbildungen in verschiedene Module unterteilt sind, welche man auf den jeweiligen Internetseiten der Anbieter einsehen kann. Man absolviert in sehr intensiven Wochenendkursen die Grundausbildung, auf die alle weiteren Module aufbauen. Es besteht die Möglichkeit sich zertifizieren zu lassen, sowie Sonderausbildungen zu absolvieren (zB. Tragen bei besonderen Bedürfnissen*, Tragen von Frühgeborenen, Bindeweisen für Schwangere,…)
Für mich als ClauWi-Trageberaterin besteht zB auch eine jährliche Fortbildungspflicht.

 

Was macht ein/e gute / kompetente Trageberater/in aus? Worauf muss ich als Laie achten, wenn ich mich auf die Suche nach einer Beratung mache:


 

Eins vorweg: die Berufsbezeichnung Trageberaterin ist leider keine geschützte Berufsbezeichnung, also so gesehen, darf sich jede/r so nennen, egal ob der/diejenige über fundierte Fachkenntnisse verfügt oder nicht. Deshalb würde ich Eltern, die interessiert an einer Trageberatung sind, empfehlen immer nach der Trageschule zu fragen, bei welcher die Ausbildung absolviert wurde. Meiner Meinung nach zeichnet eine gute Beraterin (und nicht nur in Tragefragen, sondern generell, wenn es um Beratung geht) aus, dass sie ihre Kunden da abholt, wo sie stehen. Eine kompetente Beraterin sollte in meinen Augen wertungsfrei und neutral beraten und vor allem sich an den je individuellen Bedürfnissen der Kunden orientieren. Gute Beratung bedeutet für mich den Eltern das Wissen so zu vermitteln, dass sie selbst alles an Informationen haben um die letztendlich richtige (Kauf-)Entscheidung treffen zu können.

 

Gibt es das perfekte Tuch bzw. die Perfekte Trage für jede/r Mann/Frau:


 

Nein. Also ja.
Aber nochmal: Also nein, DAS perfekte, dass für alle und jeden passt, das gibt es nicht. Denn so individuell wie die Bedürfnisse des Tragepaars sein können, genau so individuell gestalten sich dann auch dementsprechend natürlich auch die Anforderungen an das Tragetuch/die Tragehilfe.
Aber ja – nach aufklärender Beratung, ordentlicher Anleitung und genug Übungszeit während des Beratungsgesprächs findet man die JE PERFEKTE TRAGEVARIANTE INDIVIDUELL ANGEPASST AN DIE BEDÜRFNISSE DES TRAGEPAARS
😊

 

Ab wann empfiehlst du den Kauf eines Tragetuches bzw. einer Trage:


 

Ich persönlich empfehle auch den Eltern, die bei mir das Schwangerschaftspaket buchen, nicht direkt loszulaufen und zu kaufen, sondern erst dann zu kaufen, wenn auch der Tragling selbst was zum – von den Eltern gewählten – Tragesystem „sagen“ kann. Also sprich: erst müssen ALLE Beteiligten zu 100% zufrieden sein. Es bringt nämlich rein gar Nichts, wenn eine Trage für Mama und Papa tooootal praktisch ist, aber der kleine Tragling dann mit der Tragehilfe nicht warm wird, weil zB die Stelle wo die Kopfstütze verstellt werden kann, drückt.

 

Was sind die häufigsten Anfänger Fehler und wie kann man sie vermeiden:


 

Naja eh vor allem mal sich nicht auf „Empfehlungen“ in diversen Foren oder SocialMedia-Kanälen alá FB oder Insta verlassen. Wie bereits erwähnt, sollte die Auswahl der Tragevariante je individuell geschehen.
Anfängerfehler…naja, als Fehler kann man es nicht bezeichnen, denk ich. Es ist eher Unsicherheit – wenn Eltern sich nicht trauen ihre Kinder fest einzubinden. In einer Beratung wird aber eben auch im Theorieteil auf die enorm hohe Wichtigkeit dieses festen Halts eingegangen und warum dies erfordert, dass wirklich ordentlich und gewissenhaft gebunden und nachgestrafft wird. Und ebenso wird bei den Übungen mit den Demopuppen den Eltern die Scheu genommen und nicht selten erlebten diese einen regelrechten „AHA-Effekt“. Du weißt genau, was ich mein, ne?
😊

 

Was darf ein gutes Tragetuch oder eine Trage kosten:


 

Ui, das ist schon fast eine Fangfrage 😉 Nach oben gibt es – wie eigentlich überall – keine Grenzen… Schwierig… Aber ich sag jetzt mal ein Tuch mit einer guten Webung kann sowohl um 55€, als auch um 250€ zu haben sein. Weißt du worauf ich hinaus will? Ich denk da kommt es wirklich darauf an, was man/frau will (Design, Material, neu/gebraucht,….)

 

Welche Vorteile hat ein Tuch bzw. eine Trage für Mama und Papa:


 

Du hast die Hände frei (z.B. für ältere Geschwisterkinder).

 

Du bist mobil und kannst dein Baby überall mitnehmen.

 

„Schwere Arme“ vom Tragen gehören der Vergangenheit an.

 

Leichte Hausarbeiten können mit dem Baby im Tuch erledigt werden.

 

Als Papa kannst du durch das Tragen eine intensive Beziehung zu deinem Baby aufbauen. (Ich sag immer gern „Das Tragen ist das Stillen der Väter“)

 

Durch die Nähe zu deinem Baby kannst du seine Bedürfnisse frühzeitig erkennen und darauf reagieren (geübte Mamas können auch tragend stillen 😉)

 

Das Tuch/die Tragehilfe nimmt wenig Platz in Anspruch und ist schnell verstaut.

 

Liebe Betti tausend Dank dafür das du dir die Zeit für genommen hast.

 

 

Wenn ihr noch Fragen habt, könnt ihr mir diese natürlich gerne stellen.

 

Noch besser ist es aber, wenn ihr Betti direkt selbst kontaktiert (tbherzverbunden.jimdo.com)
(Ihr findet sie auch auf Instagram unter www.instagram.com/growuploved)

 

 

 

 

Und wenn euch das Interview gefallen hat und ihr so etwas in Zukunft öfter haben wollt, lasst es mich wissen.

 

Ihr Lieben - ich geh jetzt erstmal eine Runde mit Hund und Kind spazieren

 

Bis dann dann

 

Eure Claudia

 

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